Der Weber Valluvar und sein Licht!

An Valluvars Seite lebte Vasuki, seine geliebte Frau. Sie war die Stille in seinem Sturm und die Klarheit in seinen Gedanken. Ihr Lächeln war für ihn wie der erste Strahl der Morgensonne, der den Tau von den Lotusblüten küsst.

Ihre Ehe war kein bloßes Zusammenleben, sondern ein heiliger Tanz zweier Seelen. Valluvar sah in Vasuki die Verkörperung all jener Tugenden, über die er nachdachte: Geduld, Güte und bedingungslose Hingabe.

Eines Tages saßen sie beim gemeinsamen Mittagessen. Vasuki hatte eine Schüssel mit Brei zubereitet. Der Brei war bereits abgekühlt, doch Valluvar, tief in seine philosophischen Gedanken versunken, bemerkte es nicht.

Valluvar nahm einen Löffel des kalten Breis und begann, kräftig darauf zu pusten, als wäre er kochend heiß. Er tat dies mit solch ernster Miene, dass jeder andere gelacht hätte. Vasuki sah ihn an. Sie wusste, dass der Brei kalt war. Doch statt ihn zu korrigieren oder zu spotten, tat sie etwas Erstaunliches: Sie begann, mit einem Fächer Luft zuzufächeln, um ihm beim “Abkühlen” zu helfen.

In diesem Moment verstand Valluvar die Tiefe ihrer Verbundenheit. Es ging nicht um die Temperatur des Essens, sondern um den Respekt vor der Realität des anderen. Ihr Vertrauen war so groß, dass sie seine Wahrnehmung über die Tatsachen stellte.

Valluvar begann, seine Weisheiten in kurzen, zweizeiligen Versen niederzuschreiben, den Kurals. Vasuki war seine erste Leserin und seine größte Inspiration. Jedes Wort über die Liebe und das häusliche Leben war ein Spiegel ihrer gemeinsamen Zeit.

An einem strahlend hellen Mittag, als die Sonne im Zenit stand und kein Schatten zu sehen war, saß Valluvar im Hof und arbeitete an einem besonders schwierigen Vers. Plötzlich rief er nach Vasuki.

“Vasuki!”, rief er. “Bitte bring mir eine brennende Kerze! Ich kann hier draußen nichts sehen, es ist zu dunkel für meine Arbeit.”

Jede andere Person hätte auf die blendende Sonne gedeutet und ihn für verrückt erklärt. Doch Vasuki zögerte keine Sekunde. Sie ging ins Haus, entzündete eine kleine Öllampe und trug sie vorsichtig hinaus.

Sie schirmte die winzige Flamme mit ihrer Hand vor dem Wind ab, als wäre sie das einzige Licht in einer dunklen Nacht. Sie trat an Valluvars Seite und hielt ihm die Lampe hin, damit er weiterarbeiten konnte.

Valluvar sah auf das kleine Licht in ihren Händen und dann in ihre klaren Augen. Er erkannte, dass sie seine innere Suche nach Erleuchtung verstand, die weit über das Licht der physischen Sonne hinausging. Diese Episoden zeigten die Essenz ihrer Liebe: Ein vollkommenes gegenseitiges Verständnis, das keine Erklärungen brauchte. Vasuki war nicht nur seine Ehefrau, sie war der Anker seiner Philosophie.

Valluvar widmete einen großen Teil seines Werkes, des ‘Tirukkural’, dem Leben als Hausherr. Er lehrte, dass man kein Einsiedler sein muss, um Erleuchtung zu finden, wenn man eine Partnerin wie Vasuki an seiner Seite hat.

Er schrieb über die Tugend der Frau und die Stärke der häuslichen Liebe. Jede Zeile war ein Dankeschön an die Frau, die ihm die Lampe am helllichten Tag gebracht hatte.

Die Jahre vergingen, und ihr Ruhm verbreitete sich im ganzen Land. Menschen kamen von weit her, um den Weber und seine weise Frau zu sehen, deren Leben selbst ein Gedicht war.
Inmitten seiner Werke findet sich ein Vers, der ihre Liebe unsterblich machte. Er drückt aus, dass wahre Liebe kein Schloss braucht, um sicher zu sein.

அன்பும் அறனும் உடைத்தாயின் இல்வாழ்க்கை பண்பும் பயனும் அது.
Ein Leben voller Liebe und Tugend ist das Wesen und der Vorteil des Ehelebens.
Als sie älter wurden, veränderte sich ihre Liebe nicht. Sie wurde nur tiefer, wie ein Fluss, der dem Meer entgegenfließt. Sie brauchten keine Worte mehr, um einander zu verstehen; ein Blick genügte.

Vasuki blieb bis zu ihrem letzten Atemzug Valluvars Muse. Als sie diese Welt verließ, sagte man, Valluvar habe die Welt mit anderen Augen gesehen, doch ihr Licht blieb in seinen Versen für immer lebendig.

Valluvars Werk, der ‘Tirukkural’, wurde zu einem der wichtigsten Schätze der Weltliteratur. Es lehrt uns, wie man ein aufrechtes, liebevolles Leben führt – inspiriert durch die einfache Hingabe einer Frau.

Die Geschichte von Valluvar und Vasuki erinnert uns daran, dass Größe oft in der Stille und im gegenseitigen Respekt liegt. Wahre Weisheit findet man nicht nur in Büchern, sondern im Herzen eines geliebten Menschen.

Heute ehrt die Welt den großen Dichter mit einem gewaltigen Denkmal. An der südlichsten Spitze Indiens, in Kanyakumari, ragt seine Statue hoch über den Ozean empor, dort wo drei Meere aufeinandertreffen.

Doch wer die Statue betrachtet, sieht nicht nur einen Gelehrten. Man sieht den Mann, der lernte, dass Liebe das größte Licht von allen ist. Valluvar und Vasuki bleiben ewig vereint in jedem Wort der Liebe, das heute noch gesprochen wird.

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